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Der Doppelwürfel beim BackgammonDer Würfel mit der 64.

Ein Würfel ohne Augen, dafür mit sechs Zahlen, und plötzlich wird aus einem Brettspiel ein Spiel um Mut, Mathematik und Nerven. Hier steht, wie er funktioniert und wann du annehmen solltest.

Lesezeit8 Min.NiveauEinsteiger+StandOkt. 2026

Grundlagen

So funktioniert der Doppelwürfel

Der Doppelwürfel trägt die Zahlen 2, 4, 8, 16, 32 und 64. Zu Spielbeginn liegt er in der Mitte neben dem Brett und zeigt meist die 64. Gemeint ist dann aber der Wert 1, denn verdoppelt hat noch niemand. Ein Spiel ist also zunächst einen Punkt wert.

Der Doppelwürfel liegt zu Beginn neben dem Brett und zeigt 64.
  1. Verdoppeln anbietenBist du am Zug und hast noch nicht gewürfelt, kannst du verdoppeln. Du drehst den Würfel auf 2 und schiebst ihn zum Gegner.
  2. Der Gegner entscheidetNimmt er an, geht es mit doppeltem Wert weiter. Gibt er auf, endet das Spiel sofort und er verliert den Wert, der vor der Verdopplung galt.
  3. Der Würfel wechselt den BesitzerWer angenommen hat, legt den Würfel auf seine Seite. Ab jetzt darf nur noch er verdoppeln.
  4. ZurückverdoppelnKippt das Spiel, erhöht der Besitzer vor seinem Wurf auf 4. Der Würfel wandert zurück, und so weiter bis 64.

Der Würfelwert multipliziert sich mit dem Ausgang des Spiels. Ein normaler Sieg zählt einfach, ein Gammon doppelt, ein Backgammon dreifach. Steht der Würfel auf 4 und du gewinnst einen Gammon, bekommst du 8 Punkte.

Die wichtigste Entscheidung

Annehmen oder aufgeben?

Wenn du aufgibst, verlierst du sicher 1 Punkt. Wenn du annimmst, spielst du um 2 Punkte, in beide Richtungen. Annehmen lohnt sich also, solange du dabei im Schnitt nicht mehr als 1 Punkt verlierst.

Rechnen wir 100 Spiele aus derselben Stellung, von denen du 25 gewinnst:

EntscheidungRechnungErgebnis
100-mal aufgeben100 × (−1)−100
100-mal annehmen25 × (+2) und 75 × (−2)−100

Bei genau 25 Prozent Gewinnchance ist es egal. Gewinnst du öfter, ist Annehmen besser. Gewinnst du seltener, gibst du lieber auf.

Warum oft schon gut 20 Prozent reichen

Nach dem Annehmen gehört dir der Würfel. Läuft das Spiel für dich, kannst du zurückverdoppeln. Dieser Vorteil drückt die Grenze im Geldspiel auf etwa 21 bis 22 Prozent. Gammons wirken in die andere Richtung: Kannst du hoch verlieren, steigt die Grenze wieder. Im Turnier verschiebt außerdem der Spielstand alles.

Selbst ausprobieren

Annehmen-Rechner

Schätze, wie oft du aus deiner Stellung gewinnst. Der Rechner vergleicht Annehmen mit Aufgeben, ohne Gammons und ohne Würfelbesitz, also genau die einfache Rechnung von oben.

Annehmen−0,80Punkte im Schnitt
Aufgeben−1,00Punkte, sicher

Annehmen. Du verlierst im Schnitt weniger als beim Aufgeben.

Zusatzregeln

Crawford, Jacoby, Beaver

Welche Zusatzregel gilt, hängt davon ab, ob ihr ein Match auf Punkte spielt oder Einzelspiele um Punkte bzw. Geld.

RegelWas sie bewirktMatchGeldspiel
CrawfordIm ersten Spiel, nachdem ein Spieler einen Punkt vor dem Matchgewinn steht, wird nicht verdoppelt.Standard—
JacobyGammon und Backgammon zählen nur einfach, solange niemand verdoppelt hat.—Üblich
BeaverWer angenommen hat, darf sofort zurückverdoppeln und behält den Würfel.—Nach Absprache
AutomatischZeigen beide Startwürfel dieselbe Zahl, wird der Würfel automatisch gedreht.—Nach Absprache

Die Crawford-Regel schützt den Führenden: Der Zurückliegende kann in genau diesem einen Spiel nicht sofort verdoppeln und alles auf eine Karte setzen. Im Spiel danach verdoppelt er dann meist sofort, weil er nichts mehr zu verlieren hat.

Aus Fehlern lernen

Typische Fehler am Würfel

  • Zu oft aufgeben. Der häufigste Anfängerfehler. Wer noch einen Anker hat oder auf einen Treffer hoffen kann, liegt oft über der 25-Prozent-Grenze.
  • Zu spät verdoppeln. Wer wartet, bis der Gegner klar aufgeben muss, verschenkt Punkte. Ideal ist eine Verdopplung, die gerade noch angenommen werden kann.
  • Verdoppeln, obwohl man zu gut steht. Wenn du sehr wahrscheinlich sogar einen Gammon gewinnst, spiel weiter. Der Gegner würde aufgeben und nur 1 Punkt abgeben.
  • Den Würfelbesitz vergessen. Angenommen, gewonnen, und erst danach fällt einem ein, dass man hätte zurückverdoppeln können. Passiert jedem. Mindestens einmal.

Kulturhinweis

Und im Tavla?

Im klassischen Tavla, wie es in der Türkei und in vielen deutsch-türkischen Familien gespielt wird, gibt es keinen Doppelwürfel. Ein Sieg zählt einen Punkt, ein Mars zwei. Wer von Tavla zu Backgammon wechselt, muss sich vor allem an den Würfel gewöhnen. Die Zugregeln kennt er schon. Mehr dazu unter Tavla & Varianten.

Häufige Fragen

Fragen zum Doppelwürfel

Wer darf zuerst verdoppeln?

Beide. Solange der Würfel in der Mitte liegt, darf jeder Spieler vor seinem eigenen Wurf verdoppeln. Erst danach gehört der Würfel einem Spieler.

Was verliere ich, wenn ich aufgebe?

Den Wert, der vor der Verdopplung galt. Bietet dein Gegner von 1 auf 2 an und du gibst auf, verlierst du 1 Punkt. Bietet er von 4 auf 8 an, verlierst du 4.

Geht es auch über 64 hinaus?

Auf dem Würfel ist bei 64 Schluss. Im Geldspiel gibt es nach klassischen Regeln keine Obergrenze, in der Praxis steht der Würfel aber selten höher als 4 oder 8.

Muss ich verdoppeln, wenn ich gut stehe?

Nein, verdoppeln ist immer freiwillig. Manchmal ist Weiterspielen sogar besser, zum Beispiel wenn du gute Chancen auf einen Gammon hast.

Woher kommt der Doppelwürfel?

Er tauchte in den 1920er-Jahren in Spielclubs in New York auf. Backgammon selbst ist Jahrtausende älter. Die ganze Geschichte steht in der Zeitleiste.